Künstler: Unbekannt
Marker: Wappentafel in der Brunnenstube des Herrenbrünnchens (Am Herrenbrünnchen 70)
Ort: Am Herrenbrünnchen 70, Trier
Status: Gefährdet

In Heiligkreuz, hinter dem Haus Am Herrenbrünnchen 70, steht ein kleiner Mansardzeltdachbau: das Brunnenhaus des Herrenbrünnchens aus dem Jahre 1682 (Erdgeschoss) bzw. 1728 (Obergeschoss). Nach einer Legende soll der Trierer Bischof Eucharius an diesem Ort die ersten Christen getauft haben. Um 1200 erstmals erwähnt, wurde 1494 auf erzbischöflichen Befehl eine Wasserleitung von hier zum Hauptmarkt gebaut. Bereits 1494/95 dürfte das erste Brunnenhaus errichtet worden sein, das allerdings 1674 von den Soldaten des französischen Königs Ludwig XIV. zerstört wurde, wie der lateinischen Inschrift in der Wappentafel der 1682 wieder aufgebauten Brunnenstube im Erdgeschoss, in der sich die Mundlöcher dreier Stollen befinden, zu entnehmen ist. Die Quelle (FONS) spricht darauf den Leser (LECTORI) wie folgt an:

„Gallien (Frankreich [Anm. des Autors]) hat mich zerstört. Wiederhergestellt hat mich die Gnade des erhabenen Fürsten und die Liebe zur Kunst der beiden Bür­germeister. Infolge dessen gleite ich, die ich vor kurzem noch ge­zwun­gen war, mein glas­klares Wasser durch Dor­nen­ge­strüpp hierhin und dorthin zu wälzen, wieder leisen Fußes in die Stadt Trier und spende mitten auf dem Markt mein lebendiges Nass. Es lebe der Kurfürst (Johann Hugo von Orsbeck [Anm. des Autors]), die Bürgermeister und der ganze Rat, die diese Zierde ihrer Stadt wiedergeschenkt haben. Im Jahre, in dem mit dem Segen des Himmels und unter dem Frohlocken der Erde dem Kaiser Leopold I (1658 – 1705 [Anm. des Autors]) von der Kaiserin Eleonore ein Sohn namens Leopoldus geschenkt wurde.“

Das Chronogramm, bei dem die großen Buchstaben als lateinische Zahlzeichen zu betrachten und zu addieren sind, bezeichnet das Jahr 1682. Oberhalb der Inschriftentafel sind die Wappen des Kurfürsten Johann Hugo von Orsbeck und daneben das der Stadt Trier, unterhalb die des Ersten Bürgermeisters und Wollwebermeisters Heinrich Dautzenberg, des Zweiten Bürgermeisters und Hochgerichtsschöffen Johann Georg Schubart sowie des Stadtschultheißen Damian Heinrich Anethan (von links nach rechts) angebracht. Darunter und an den Seiten sieht man die Wappen mit Namensnennung der Ratsherren, des Stadtschreibers und nochmals der beiden Bürgermeister.

Die Wappentafel befindet sich in einem sehr schlechten Zustand und ist wegen der Feuchtigkeit des Ortes mit Moosen und Flechten bewachsen. Wenn man sich nicht bald des stadthistorisch bedeutsamen Denkmals konservatorisch annimmt, werden die Farben gänzlich vergehen, die Schrift unleserlich werden und der Sandstein zerbröseln. Ein wichtiges Stück Stadtgeschichte wäre somit für immer verloren. Damit das nicht geschieht, sollte eine konzertierte Aktion von SWT, DA und TG, wie es sie 1995 schon einmal gab, dies verhindern. Seitdem kann man die drei steinernen Wappentafeln in der darüber gelegenen barocken Ratsherrenstube von 1728 in ihrer vollen Farbenpracht erleben.

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