Künstler: Eberhard Lamberty
Marker: Jugendstilhaus in der Fleischstraße 45
Ort: Fleischstraße 45, Trier
Status: Gefährdet

Das wohl prächtigste Jugendstilhaus Triers befindet sich in der Fleischstraße 45 (Abb. 1). Es wurde auf einer schmalen, von der Fleischstraße bis zur Metzelstraße reichenden Parzelle 1901 als Wohn- und Geschäftshaus für den Klempnermeister und Installateur Friedrich Theisen errichtet. Die Entwürfe für das viergeschossige Traufenhaus mit der einzigartigen Sandstein-Jugendstilfassade stammen vom Architekten Eberhard Lamberty. Außergewöhnlich ist der Verzicht auf jeglichen Stuckdekor: Sämtliche subtilen Schmuckformen sind aus Sandstein gehauen. Das Ladenparterre und die beiden darüber liegenden Obergeschosse der Dreiachsenfassade fasst ein halbrunder Blendbogen zusammen. An den Seitenteilen wächst naturalistisches Ast- und Rankenwerk empor, das sich in den Bogenzwickeln zu einem dicht verschlungenen, die Fläche vollständig ausfüllenden Blätterwerk steigert. Die Fenster im ersten und zweiten Obergeschoss sind zu Gruppen zusammengefasst. Im zweiten Obergeschoss, dessen Balkon leider nicht mehr vorhanden ist, zeigt die Lünette der mittleren Fenstertür ein Relief mit dem Baudatum und den Initialen des Bauherrn. Von der vertikalisierenden Gliederung der drei unteren Geschosse abgesetzt ist das oberste Stockwerk: Über seinen Rechteckfenstern gliedern eingetiefte, konsolenbesetzte Rechteckfelder zwischen pflanzenverzierten Lisenen den Drempelbereich. Beachtenswert sind auch die über der Traufe angebrachten, kaminkopfartigen und aus Jugendstilmustern entwickelten Aufsätze.

Bis auf den veränderten Ladenbereich sind alle im Oberlicht mit einer Eisenversprossung ausgestatteten Holzfenster im Original erhalten. Leider macht die prächtige Fassade einen sehr vernachlässigten Eindruck. Es scheint noch nie etwas für ihre Pflege investiert worden zu sein. Dies lassen zumindest die bis heute noch sichtbaren Einschüsse und Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs mutmaßen (Abb. 2). Die Erbengemeinschaft Theisen, die auch das heruntergekommene Gründerzeithaus zur Linken (ehemals „Phono Radio Döge“) ihr Eigen nennt, sollte sich Gedanken machen, wie das sicherlich ausreichende Mieteinnahmen abwerfende Haus (das traditionsreiche „Geschäft für technische Spielwaren Fr. Theisen“ und ein Waffelladen sind u.a. Mieter) für zukünftige Generationen bewahrt und zur Werterhaltung besser gepflegt werden kann. Das Haus wäre dann eine Augenweide.

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